EXKLUSIV: Der lange Tod einer traditionsreichen K.G. – die K.G. „Kölsche Boor“ hat Insolvenz angemeldet!

Posted By on 28. August 2018

Sitzung der K.G. Kölsche Boor im Januar 2005 im Ostermann-Saal der Sartory-Betriebe
Foto: Archiv/Andreas Klein

Es war ein langer, schmerzhafter „Tod“ einer traditionsreichen Kölner Karnevalsgesellschaft: Am gestrigen Montag hat der Rest-Vorstand der K.G. Sr. Deftigkeit Kölsche Boor von 1951 die Insolvenz der Gesellschaft beim Amtsgericht Köln beantragt. Mit diesem Schritt findet die 67-jährige Schaffenszeit der einzigen Festkomitee-Gesellschaft aus Köln-Weidenpesch ein jähes Ende!

Doch das Ende war von einem langen Kampf gegen eben genau dieses Ende geprägt: Spätestens seit der Session 2003/2004 war die Sitzung der Gesellschaft im Ostermann-Saal der Sartory-Betriebe nicht mehr ausverkauft. Mehr noch: Der Saal war halbleer! Über die Gründe kann und will die Redaktion nicht spekulieren, jedoch war das Thema „Überalterung der Mitglieder“ immer ein Damokles-Schwert über den Köpfen der Verantwortlichen. In der Session 2004/2005 gab der Sartory dann ein erbärmliches Bild ab (siehe Foto) – gerade einmal gut ein Viertel der Plätze war belegt!

Zum 55-jährigen der Gesellschaft war dann das erste Mal ein großes Manko in der Vereinskasse. Schuld daran waren u. a. auch die Strafzahlungen an die Sartory-Betriebe, weil die Umsatzzahlen der letzten beiden Sitzungsjahre nicht den Mindestanforderungen des Gastronomen entsprachen. Da musste dann die K.G. tief in die Tasche greifen – doch die Tasche hatte ein Loch!

Damals hatten sich drei Präsidenten befreundeter Vereine dazu entschlossen, der Gesellschaft zu helfen: Mit einem „Jubiläums-Benefiz-Herrenfrühschoppen mit Damen“ konnten die drei Vollblutkarnevalisten das sinkende Schiff noch einmal zumindest aus dem reissenden Fahrwasser, welches das sichere Ende bedeutet hätte, befreien. Gerettet war man nicht, aber man konnte wieder mitschwimmen …

In den Jahren danach nahm sich der Vorstand dann an dem erfolgreichen „Jubiläums-Benefiz-Herrenfrühschoppen mit Damen“ ein Beispiel, nannte das Konzept in „Matinee“ um – und konnte Jahr um Jahr gute Einnahmen verbuchen. Im Jahr 2008 feierte Bernd Fischer sein 25-jähriges Präsidentenjubiläum beim „Kölsche Boor“ – und gab sein Amt aus Altersgründen an einen jüngeren Nachfolger weiter. Auch dieser Nachfolger, der bereits in den Jahren zuvor im Vorstand tätig war, führte das Matinee-Konzept im Pfarrsaal im Heimatstadtteil Weidenpesch in den Jahren seiner Amtszeit fort.

Um die Gesellschaft auf eine breitere finanzielle Decke zu stellen, wurde im Jahr 2010 beschlossen, auch weibliche Voll-Mitglieder aufzunehmen. Vorher konnten die Damen nur Fördermitglied werden, ohne Stimmrecht. Dieses passte einigen alt-eingesessenen Karnevalisten überhaupt nicht und diese verliessen die Gesellschaft.

Im Jahr 2011 wurde dann eine Kooperation mit einer Tanzgruppe eingegangen, die bereits nach fünf Jahren wieder eigene Wege ging. Im Jahr 2015 wurde dann ein Vorstand gewählt, der sein Amt aber nach einem Jahr wieder aufgab. Bei den damaligen Neuwahlen im Jahr 2016 wurde ein – im Gegensatz zu den Vorgängern – junger Präsident gewählt. Dieser hatte neue Ideen – und wollte diese auch umsetzen. Doch die Mitglieder waren dagegen. Ein Stammtisch wurde gegründet, der aber von Vorstand und den Alt-Mitgliedern nicht mitgetragen wurde. Der Präsident setzte auch die Gründung einer Kinder- und Jugendtanzgruppe durch – wohl auch gegen den Willen des restlichen Vorstands, wie er in einem Statement anlässlich seines Rücktritts vor wenigen Wochen von einem anderen Medium zitiert wird: „So wurden neue Konzepte und Ideen nicht unterstützt, bzw. nach meinem Eindruck regelrecht boykottiert.“

In den Jahren 2017 und 2018 hat der in 2016 gewählte Präsident, der auch das 66-jährige Jubiläum der K.G. mitverantwortete, jeweils den Vorstand durch seinen Rücktritt nach der Session jeweils zu Neuwahlen gezwungen. Auch zum letzten Aschermittwoch ist der Präsident zurückgetreten – und hat sich auf der Jahreshauptversammlung wieder als Präsident, 1. Vorsitzender und Schatzmeister wiederwählen lassen. Doch zum 31. Juli 2018 war das kurze Gastspiel schon wieder vorbei: Der Präsident ist nun endgültig zurückgetreten und hat zwischenzeitlich erklärt, dass er sich ganz aus dem Kölner Karneval zurückziehen will.

Mit ein Grund für die heutigen finanziellen Probleme soll auch die Zahlungsmoral der Vereinsmitglieder gewesen sein. Wie uns ein Mitglied des letzten Vorstands der Gesellschaft in einem Telefonat mitteilte, wurden in den letzten Jahren vermehrt die Mitgliedsbeiträge nicht gezahlt. Wurden die säumigen Mitglieder darauf angesprochen, folgte meist die Kündigung der Mitgliedschaft, weshalb man irgendwann das Thema erst gar nicht mehr anpackte. Sicherlich ein Thema für den Insolvenzverwalter, der sich nun sicherlich die Bücher der K.G. genauer anschauen wird …

Im Rahmen einer Mitgliederversammlung in der vorletzten Woche wurde dann das unrühmliche Ende der K.G. Sr. Deftigkeit Kölsche Boor von 1951 e. V. beschlossen – und durch den gestrigen Gang zum Insolvenzgericht wurde das Ende einer fast 68 Jahre alten Karnevalsgesellschaft vollzogen! Ein trauriges Ende, zuletzt gezeichnet von hochtrabenden Ideen, welche die Gesellschaft mit ihrer Struktur gar nicht umsetzen konnte und wollte. Mit der Abgabe des Insolvenzantrags wurde nun angefangen, das Grab für die K.G. zu schaufeln …

Tschö, K.G. Kölsche Boor! Mach et jot!

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