Vorstellnachmittag des Kreis rheinischer Karnevalisten (KrK)

Posted By on 7. Oktober 2019

Zum ersten Vorstellabend dieses Jahres in Köln lud am gestrigen Sonntagnachmittag der Kreis rheinischer Karnevalisten (KrK) in das Dorint Hotel an der Messe ein. Im rot-weiß festlich dekorierten, gut gefüllten Saal warteten gespannt die Gäste auf das Programm, welches ihnen den Nachmittag frühkarnevalistisch verschönern sollte. Unter den Gästen waren zahlreiche Präsidenten, Literaten und sonstige Vorstandsmitglieder, darunter eine große Abordnung der Kölsche Narren-Gilde unter Präsident Helmut Kopp sowie eine Abordnung der Große K.G. Greesberger Köln unter Präsident Markus Otrzonsek.

Fotos: Andreas Klein

Die Eröffnung machte der Musikzug „Ihrefelder Cheyenne„, die in der kommenden Session ihr 25-jähriges Bestehen feiern. Das Programm der kölsche Indianer bietet musikalische Medleys mit bekannten kölschen Hits. Aber es gab, zumindest beim gestrigen Auftritt, ein Manko: Die starke Percussion-Abteilung übertönte den Rest vom Musikzug! Man hörte fast ausschließlich nur die Trommeln, die Piccolo-Flöten und die Lyren waren nur bei leisen Passagen wirklich zu hören. Schade, denn musikalisch schienen die Cheyenne nicht zu den schlechtesten Musikzügen Kölns zu gehören. Ein Mikro vor den Lyren und Piccolo-Flöten hätte sicherlich den Mädels beim musikalischen Durchsetzen geholfen …

Ühlepänz

Aus dem rechtsrheinischen Stadtteil Köln-Höhenhaus kamen die Ühlepänz der Große K.G. Höhenhuuser Naaksühle ins Nachbarveedel Deutz. Die Kinder- und Jugendtanzgruppe ist seit Jahren auf vielen Veranstaltungen ein fester Programmpunkt. Aber natürlich könnten die Pänz den ein oder anderen Auftritt mehr vertragen, denn man will ja karnvalistische Nachwuchs-Tänzerin oder Tänzer nicht für ein oder zwei handvoll Auftritte das ganze Jahr seine Freizeit opfern. A pro po Tänzer – den ein oder anderen Jungen könnte die Gruppe noch vertragen. Tänzerisch bieten die Jungs und Mädels ein hohes Können. Auf großen und kleinen Bühnen sicherlich eine Bereicherung.

„Jeck noh Note“ Harald Voß

Bereits beim Vorstellabend des Karnevalsverband Rhein-Erft am letzten Samstag hatte sich Harald Voß präsentiert. Wir möchten Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht mit Wiederholungen langweilen – nur so viel sei angemerkt: Der Saal war am gestrigen Nachmittag auf den „Jeck noh Note“ gespannt. Es war schön ruhig, so dass Voß mit seinem ruhigen Programm – ein Mann, eine Gitarre – begeistern konnte. Und es bleibt bei unserer Einschätzung: Ein großer Saal mit einer Prunk-, Kostüm- oder Mädchensitzung ist nichts für Voß. Lieber ein kleiner Saal mit einem Publikum, welches bereit ist, zuzuhören. Oder eine Flüstersitzung. Und vielleicht sogar auch in einem Brauhaus vor 200 Gästen. Dann aber am Anfang!

Tanzgruppe „Kölsche Greesberger“

Dem KrK liegen die Tanzgruppen am Herzen. Aus diesem Grund dürfen auf jedem Vorstellabend gleich mehrere Tanzgruppen ihr Können unter Beweis stellen. Nach den Ühlepänz folgten nun die ersten „Großen“: Die Tanzgruppe „Kölsche Greesberger“ der Große K.G. Greesberger Köln. Die Tanzgruppe feiert in wenigen Tagen ihr 11-jähriges Bestehen und zeigte gestern Nachmittag wieder einmal eindrucksvoll, dass man sich in den paar Jährchen zu einer der Top-Tanzgruppen in Köln und dem rheinischen Karneval entwickelt hat. Die Tänzerinnen und Tänzer brillieren mit tänzerischer Spitzenklasse und auch im Bereich Akkrobatik sind die Orange-schwarzen ganz vorne mit dabei!

 

 

Domstadtbande

Schon lange beim KrK, wahrscheinlich sogar schon mit KrK-Inventurnummer versehen, ist die Domstadtbande. Die Band hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Und, was man heutzutage auch anmerken muss: Man hat offenbar einen guten Techniker am Mischpult! Die Instrumente hört man heraus; wenn der Gitarrist spielt, dann erkennt man jede einzelne Note – und nicht so ein Soundbrei, wie ihn manch andere Band derzeit abliefert. Das war schon Top! Dazu kommt ein toller, mehrstimmiger Gesang der fünf Bandmitglieder. Von den Bands war die Domstadtbande am gestrigen Tag mit Abstand die Beste … ähem, und leider auch die Einzige. Aber das soll die Leistung der Jungs nicht schmälern – der Auftritt war schon echt klasse!

Jugend „Kölsche Greesberger“

Die Große K.G. Greesberger Köln leistet sich neben der großen „großen“ Tanzgruppe auch noch eine große „kleine“ Tanzgruppe – die Jugendtanzgruppe „Kölsche Greesberger“. Und das, was wir bei den „Großen“ gesagt haben, trifft genauso auf die „Kleinen“ zu: Eine der besten Jugendtanzgruppen im Kölner und ganzen rheinischen Karneval. Aber leider gibt es auch hier ein klitzekleines Manko: Seeeeehr wenig Jungs! Die Mädcher sind hier eindeutig in der Überzahl, wobei einem die handvoll Jungs da schon irgendwie leid tun kann! Aber vielleicht gibt es ja da draußen doch noch den ein oder anderen kölschen Jung, der sich mal dazu durchringen könnte, ein kölsches Mädchen im Karneval auf Händen tragen zu wollen. Die können sich ja dann bei den Kölsche Greesberger melden … die Mädels freuen sich bestimmt.

Scheckübergabe

Im Rahmen des Auftritts der Jugendtanzgruppe übergab der Vorstand des KrK den Erlös aus dem jährlichen KrK-Benefiz 2019. Für die Kinderklinik in Köln-Porz und den Verein „Zartbitter e. V.“, deren Vertreter leider am gestrigen Nachmittag verhindert waren, übergaben Albert Terfloth und Axel Höfel jeweils 1.900,00 € als Spende für deren Arbeit. Der nächste KrK-Benefiz findet übrigens am 16. Februar 2020, wieder im Zochs Bistro im Bezirksrathaus Köln-Mülheim (Wiener Platz), statt. Spendenkarten (es gibt keine „normalen“ Eintrittskarten) gibt es beim KrK.

Moped Manni

Nach dem ganzen Gesinge und Getanze wurde nun Geplappert – „Moped Manni“ fährt jetzt E-Roller! Von der Type des Rockers hat sich Henning Schmiing dabei weitestgehend verabschiedet und spricht nun über aktuelle Themen wie Brexit und Klima, natürlich immer mit einem Augenzwinkern. Leider sind viele Gags vom „E-Roller Manni“ ob des Alters schon leicht grün angelaufen bis stark verschimmelt. Nach ein paar Jahren berufsbedingter Bühnenabstinenz ist „Moped Manni“ – zwar ohne Moped, dafür mit selbst gebasteltem E-Roller (mit Kabeltrommel!) – wieder da. Allerdings müsste Schmiing noch kräftig an seiner Rede feilen, um wieder an seine alten Erfolge anzuknüpfen. Gerade im Themen-Bereich „Klima“ gibt es doch heute genügend Material – und es muss dabei noch nicht mal Klima-Greta sein!

Tanzkorps „Blaue Jungs“

Aus dem Kölner Westen kommt die Tanzgruppe „Blaue Jungs“ der K.G. Lövenicher Neustädter. Vor einigen Jahren sagte man noch spöttisch, dass die Tanzgruppe „die Beste im Kölner Westen“ sei – wobei es da nicht viele Alternativen gibt. Heutzutage muss man aber klarstellen, dass die Jungs und Mädels aus Lövenich auch zu den Top-Tanzgruppen in ganz Köln und dem ganzen Rheinland gehören! Da braucht sich der Kölner Westen hinter keiner anderen der Kölner Tanzgruppen zu verstecken! Tänzerisch und im akkrobatischen Bereich ist man schon seit den letzten Jahren auf einem Niveau angekommen, dass es für den Betrachter eine wahre Freude ist. Das passt einfach alles. Und wenn die Mädels dann im Dorint quasi mit dem Hintern die Decke putzen, dann erkennt man die Top-Leistung, die diese Amateure in ihrer Freizeit Jahr für Jahr auf die Bühnen des Rheinlands bringen. Hut ab, natürlich auch für die Greesberger und die beiden Jugendtanzgruppen!

 

Rotznas

Ein Mann, eine Gitarre – hatten wir heute schon einmal. Doch im Gegensatz zum Auftritt von Harald Voß, der mit leisen Tönen überzeugt, kommt Jens Büttemeyer als „Rotznas“ eher übersteuert daher. Die Gitarre war zu laut, der Gesang teilweise schwer verständlich. (Sang er nun „vun der Tant“ oder „vun der Mamm“? Erst beim letzten Satz, als die Gitarre ausklang, verstand man, dass es um die „Mamm“ ging …). Bei den Liedern handelte es sich wohl um eigene Kompositionen – welche Büttemeyer aber vom Tablet ablesen musste. Okay, das kennt man von Mitsingkonzerten. Aber da haben die Musiker hunderte Texte auf ihrem Tablet gespeichert. Bei der Rotznas waren nur drei Lieder im Vortrag. Die „Rotznas“ gibt es seit 2016 – und da ist noch viel Luft nach oben.

Auf dem Programmzettel stand nun ein Programmpunkt, der auf eine Berichterstattung bei uns keinen Wert legt und uns diese Berichterstattung auch durch den Vorstand der Karnevalsgesellschaft, zu der diese Gruppe gehört, hat untersagen lassen. Daher halten wir uns nun an die bekannten US-Rocker von „Van Halen“ und machen einen „JUMP!“ zur nächsten Nummer …

Ne joode Jung

Bereits beim KrK-Vorstellabend im letzten Jahr konnte „der Mann am Klavier“, Holger Quast als „Ne joode Jung„, durchaus einen Achtungserfolg erzielen. Wir haben damals resümmiert, dass Quast in den großen Sälen keine große Chance haben wird. Daran hat sich auch nichts geändert. Allerdings hat sich auch nichts an der Qualität von Quasts musikalischem Können geändert … dä Jung es einfach joot! Aber dann bitte nur für Sessionseröffnungen im kleinen Gesellschaftskreis, für kleine Sitzungen, Fischessen, Sommerfeste und so weiter. In Düren, wo Quast herkommt, macht er auch Mitsingkonzerte. Auch eine Idee. Aber bitte verheizt den guten Musiker nicht auf Damen-, Herren- oder Kostümsitzungen. Da passt er einfach nicht hin. (Und das weiß er auch selbst!)

Paul Posthorn

Ebenfalls im letzten Jahr bereits beim KrK auf dem Vorstellnachmittag war Heinz Pohl jr. als „Paul Posthorn„. Die Type ist, sagen wir mal, speziell. Sehr speziell. Wie meinte ein Vorstandsmitglied einer Kölner Karnevalsgesellschaft beim Rausgehen: „Der Typ mit dem Post-Schalter – den würden sie aber auch in Düsseldorf von der Bühne schmeißen!“ Wir haben bereits im letzten Jahr geschrieben, dass Paul Posthorn nichts für die Kölner Bühnen ist. Und auch nach der aktuellen Rede ändert sich für uns nichts an dieser Meinung! Gut, die vorgetragene Rede war komplett neu, mit aktuellen politischen Themen wie Brexit, Klima und so weiter gespickt – aber richtig lustig ist anders. Eigentlich schade, denn gute Typenredner fehlen ja bekanntlich im Karneval.

Brass on Spass

Mit „Brass on Spass“ aus Eschweiler (Gibt es da eigentlich noch andere Hobbies als Musik in einer Blaskapelle zu machen?) ging der diesjährige KrK-Vorstellabend zu Ende. Die Musikerinnen und Musiker erinnern von ihrem Outfit her an eine bekannte kölsche Karnevals-Rock-Kapelle (Karo ist mega in Mode …), sorgen aber mit ihrem schmissigen Bläser-Sound schon heftig für Gänsehaut. Dass es nicht immer nur die Eschweiler Fanfaren oder die Funfars aus „gegenüber Neuss“ sein müssen, ist ja mittlerweile hinlänglich bekannt. Es gibt auch gute Showorchester neben den bekannten Fanfarenkorps. Und zu so einer Sorte gehören auch „Brass on Spass“! Die können Stimmung machen, die holen selbst den müdesten Jeck von den Stühlen, die bringen einen Saal zum Feiern! Und das braucht man im Karneval heutzutage.

Unser Resümee zum Vorstellnachmittag des KrK: Gerade die ruhigen Klänge (Harald Voß, Holger Quast) konnten dieses Jahr überzeugen. Mit „Brass on Spass“ und der Domstadtbande schafften es auch die Gruppen mit etwas mehr Druck, die Gäste zu begeistern. Bei den Rednern … okay, schwieriges Terrain – aber durchaus mit Luft nach oben. Beim KrK ein echt dickes Brett sind die Tanzgruppen – egal ob Ühlepänz, Jugend-Greesberger, Greesberger oder Blaue Jungs, die Qualität dieser Tanzgruppen ist durchweg absolute Spitzen-Mega-Klasse im jeweiligen Bereich (Kinder, Jugend und „Große“ kann man nicht direkt miteinander vergleichen, das wäre unfair). Der Vorstellnachmittag bot im Großen und Ganzen gute Unterhaltung.

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