Narren suchen den Karnevalsstar ein Fake??

Posted By on 29. November 2013

Viele Nachwuchskünstler sind seit eingen Wochen schon „hibbelig“: Unter dem Titel „Narren suchen den Karnevalsstar“ („NsdKs“) soll die „Närrische Hitparade“, ehemals im dritten TV-Programm des WDR ausgestrahlt, zu neuem Leben erweckt werden. Nachwuchskünstler konnten sich bewerben, es wurden sechs Vorausscheidungen in der Region angekündigt – und zum Finale soll Mottoqueen Marie-Luise Nikuta die Patenschaft übernommen haben. Doch: Nach den ersten beiden Aufzeichnungen kommen ernsthafte Zweifel an dieser Castingshow auf.

Das uns vorliegende Konzept der Sendung liest sich eigentlich ganz gut: Sechs Vorentscheide mit jeweils sechs Künstlern, die von einer Jury bewertet werden. Bei jedem Vorentscheid gibt es einen Paten, der dem Gewinner die Siegtrophäe für den jeweiligen Vorentscheid übergeben soll. Der Gewinner jedes Vorentscheides darf dann im Finale noch einmal ran und hat dann die Möglichkeit, den Titel „Karnevalsstar 2014“ zu ergattern. So weit so übliche Castingshow. Doch vor Ort erleben die Talente dann die ein oder andere böse Überraschung …

Bereits einen Tag nach der Aufzeichnung in Weisweiler am 20. November 2013 erhielten wir die Bitte, doch einmal in der Sache „NsdKs“ eindringlich zu recherchieren. Der Betreiber der Festhalle in Weisweiler hatte, wie auch alle auftretenden Talente, keinerlei Verträge für eine TV-Produktion gesehen. Auf Grund der Tatsache, dass der Kartenvorverkauf katastrophal gewesen war und die Kommunikation mit dem Veranstalter so gut wie gar nicht stattfand, hat der Festhallen-Betreiber wohl sogar kurzzeitig darüber nachgedacht, die Veranstaltung abzusagen.

Grafik: Veranstalter

Am Aufzeichnungstag kam dann eine Kamera (Zitat: „Also so richtig professionell sah das nicht aus.“) in Weisweiler zum Einsatz – für eine abendfüllende TV-Produktion mit einer großen Bühne und Live-Publikum ein eher minimalistischer Aufwand! Die Talente durften jeweils ein Lied in Vollplayback (!) zum Besten geben und wurden dann von der Jury bewertet. Die beiden Veranstalter, im Karneval der Region unter „Schunkelpitter und kölsche Katti“ mehr oder weniger bekannt, durften ein paar ihrer Lieder ebenfalls zum Besten bringen. Moderiert wurde der Abend von Karin Pletz („Kölsche Katti“) und Hubert Koch jr., einem Mitglied der Kölsche Funke rut-wieß, wie man auf den Plakaten vor Ort nachlesen kann (siehe Repro).

Wegen des fehlenden Publikums – nach Aussage von Personen, die vor Ort waren, waren vielleicht 100 Besucher in der Festhalle – wurden dann die beiden Tanzgruppen „Höppe Kroetsch“ aus Weisweiler und „Die Schlebuscher“ aus Leverkusen-Schlebusch, die als Pausenunterhaltung geplant waren, gebeten, sich hinter der Kamera zu postieren und lauthals mitzujubeln. So wollte man das fehlende Publikum wohl wenigstens akkustisch ausgleichen. Besonders auffällig war beim Vorentscheid in Weisweiler auch, dass in der Jury eine Person saß, die sich als Manager der späteren Siegerin Sandra herausstellte – ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Als Paten in Weisweiler waren übrigens die „Kolibris“ angekündigt. Diese waren aber nirgends zu sehen. Dafür sprangen die „Knollis“ ein, die auch in einem weiteren Vorentscheid als Paten geführt werden …

Auch nach dem zweiten Vorentscheid im „Schaukelkeller im Rosensaal“ in Hennef-Uckerath am vergangenen Mittwoch (27. November 2013) erhielten wir diverse Nachfragen zur Seriösität der Veranstaltung. Erboste Nachwuchskünstler riefen uns an oder kontaktierten uns per Facebook. Die Veranstalter kassierten auf einmal von Begleitpersonen der Künstler den normalen Eintrittspreis, das Künstlercatering war auch kostenpflichtig. Darauf angesprochen, haben die Veranstalter wohl erwidert, dass die Produktionskosten für die TV-Produktion so hoch seien und das man diese irgendwie ja gegenfinanzieren müsste. Und auch hier soll der spätere Sieger bereits im Vorfeld festgestanden haben, wie uns Künstler versicherten. Wenigstens sollen hier drei Kameras zum Einsatz gekommen sein, wobei zwei dieser Kameras – nach Aussage von Fachleuten, die vor Ort waren – nur Dummies gewesen sein sollen.

Ein weiteres Problem: Die als Paten angekündigte Band „De Boore“ war, nach Aussage der Band, zwar Anfang des Jahres als Paten für die Veranstaltung angefragt worden. Peter Kellershoff von „De Boore“ zu uns: „Wir haben das geprüft und festgestellt, dass drei von uns anderweitige Termine an diesem Abend haben. Deshalb haben wir diese Anfrage niemals zugesagt.“, so Kellershoff. Die Band hatte dann in der letzten Woche per eMail ein Plakat der Veranstaltung in Hennef-Uckerath erhalten, auf dem mit „De Boore“ als Paten geworben wurde. Daraufhin haben zwei Bandmitglieder beschlossen, nach Hennef zu fahren und sich die Sache vor Ort einmal anzuschauen. Das Fazit der Musiker: „Professionell ist anders!“

Auch in Hennef-Uckerath durften die Künstler nur Vollplayback singen. Auf die Nachfrage, warum man nicht Halbplayback singen dürfte, wurde seitens der Veranstalter argumentiert: „Das geht auf Grund der TV-Produktion nicht!“ … okay, bei dieser Produktion – die ja sehr teuer sein soll (sic!) – geht das nicht. Der WDR und auch das ZDF haben bei ihren TV-Formaten im Karneval aber keine Probleme mit Live-Musik!

Nach zwei Vorentscheidungen und zahlreichen Anfragen nach Recherche, teilweise mit hanebüchenen Aussagen zum Vorgehen der Veranstalter, haben wir uns dann an die Arbeit gemacht. Im Zusammenhang mit „NsdKs“ werden immer wieder drei Namen von … tja, wie nennen wir das jetzt … Sendemedien genannt, welche für die Ausstrahlung der aufgezeichneten Sendungen sorgen sollen: Zwei TV-Sender und ein Youtube-Kanal (!) sollen angeblich über 50 Millionen Zuschauer für die „Nachfolgesendung der Närrischen Hitparade“ vor die Empfangsgeräte locken. Doch wenn man bei den Sendemedien nachfragt, erntet man dort nur Kopfschütteln!

Richard Kästner von „Veedel-TV“, einem Youtube-Kanal, wusste bis gestern Nachmittag nichts davon, dass er seinen Kanal für die „Ausstrahlung“ der aufgezeichneten Shows zur Verfügung stellen würde. Ähnlich lautet die Aussage der Pressestelle von center.tv, die im Kontext auch immer wieder genannt werden: „Wir haben unsere eigene TV-Sitzung und unser tägliches Karnevalsmagazin mit Michael Schwan und Stefan Brandt. Warum sollen wir das denn senden?“, so die telefonische Auskunft der Pressestelle des Kölner Heimatsenders. Allerdings konnte man nicht gänzlich ausschließen, dass ein extern produziertes Magazin die Inhalte aufgreifen würde.

Am heutigen Nachmittag hatten wir dann ein interessantes Telefonat mit dem Programmleiter des „Deutschen Musik Fernsehen“. Dort war man sehr überrascht, dass mit dem Namen „Deutsches Musik Fernsehen“ für die Veranstaltung geworben wird: „Die Veranstaltung wird nicht durch uns und auch nicht in unserem Auftrag produziert!“, so Michael Jaufmann. „Wir wurden vor ein paar Wochen gefragt, ob wir Interesse an einem solchen Format haben. Das haben wir grundsätzlich erst einmal bejaht, aber auch darauf hingewiesen, dass wir nicht die Katze im Sack senden werden. Uns wurde dann ein Demoband versprochen, welches uns nun vorliegt. Und das, was man auf diesem Demoband sieht, entspricht in keinster Weise unserem Sendestandard.“, so Jaufmann weiter. Und als Fazit: „Sie können davon ausgehen, dass diese Sendung bei uns nicht ausgestrahlt wird!“

Wir haben Herrn Jaufmann nochmal darauf hingewiesen, dass mit der Ausstrahlung auf dem „Deutschen Musik Fernsehen“ explizit von den Veranstaltern geworben wird (siehe u. a. auch auf der Homepage der „3 Colonias“). Hierüber ist Jaufmann nicht begeistert: „Hier wird mit unserem guten Namen für eine Veranstaltung geworben. Das war so niemals abgesprochen. Und wenn ich sehe, was da produziert wird, ist es sicherlich verständlich, wenn mir dies nicht gefällt.“, so Jaufmann, der bis vor wenigen Monaten noch in Köln gewohnt hat und sich auch mit der Materie Karneval gut auskennt.

Vier Vorentscheidungen sowie das Finale stehen noch aus. Wir sind gespannt, ob diese Veranstaltungen durchgeführt und auch durch eine TV-Kamera aufgezeichnet werden. Eine Ausstrahlung des Materials ist aber unwahrscheinlich …

Sollte es weitere Neuigkeiten zum Thema „Narren suchen den Karnevalsstar“ geben, werden wir darüber informieren.

Nachtrag vom 30.11.2013:

Wir haben im Laufe des heutigen Vormittags noch neue Informationen erhalten, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen:

Die Jury besteht bei jeder Show aus sechs Personen. Laut „Konzept“ sind bei allen sieben Veranstaltungen die gleichen sechs Juroren dabei. In Weisweiler war jedoch ein Juror dabei, der in Hennef durch einen anderen Juror ausgetauscht worden ist. Warum dieser Tausch statt gefunden hat, wurde auch auf mehrfache Nachfrage der anderen Juroren durch die Veranstalter nicht beantwortet. Nach unseren Telefonaten mit Mitgliedern der Jury steht für uns fest, dass zumindest die Juroren, mit denen wir telefoniert haben, einer Beteiligung an eventuellen Manipulationen ausdrücklich widersprochen haben. Einer der Juroren bestätigte uns aber, dass es eine „Empfehlung der Veranstalter“ geben soll, welcher Künstler welchen Vorentscheid gewinnen soll …

Auffällig ist laut den Juroren dabei, dass die „empfohlenen Gewinner“ bei ihrem Auftritt einen erstklassigen Sound geboten bekommen, während die anderen Künstler – laut Juroren – teilweise sehr unverständlich rüberkommen würden. Ob dies wirklich nur an „schlechten Playbacks“ liegt, wie von den Veranstaltern behauptet, darf bezweifelt werden. Ein Juror, der ungenannt bleiben möchte, im Telefonat mit uns: „Ich hatte von Anfang an Magengrummeln bei der Sache. Es gab, trotz mehrfacher Nachfrage, keine vorherige Besprechung mit den Juroren und den Veranstaltern. Erst vor Ort in Weisweiler haben wir eine Auflistung bekommen, was wir wie zu bewerten hatten.“ Und weiter: „Die Veranstalter blocken jedes Gespräch mit den Künstlern sowie den Juroren ab. Eine Nachfrage, wann das Material wo gesendet wird, wird immer nur mit dem ´Deutsches Musik Fernsehen´ und ´center.tv´ beantwortet. Ein Sendetermin steht aber nicht fest.“ In einer uns vorliegenden eMail der Veranstalter liest sich dieses jedoch etwas anders, hier wird „nach Weihnachten“ als Sendestart angegeben. Und die Sendung soll dann jeden Donnerstag um 20:15 Uhr ausgestrahlt werden.

Und auch einige Künstler haben sich mit uns nach unserem gestrigen Bericht telefonisch in Verbindung gesetzt. Die Künstler verweisen darauf, dass auch ihnen gegenüber, trotz Nachfrage, keinerlei großartigen Informationen zum Sendetermin geäußert wurden. Nach der Aufzeichnung in Weisweiler wurde den Künstlern mitgeteilt, dass die Ausstrahlung am darauffolgenden Dienstag (das wäre der 26. November 2013 gewesen …) auf dem „Deutschen Musik Fernsehen“ (DMF) erfolgen solle. Einer der Künstler versicherte uns, dass er sich mit dem DMF in Verbindung gesetzt hatte, weil zum geplanten Sendetermin laut Programmplan eine andere Sendung ausgestrahl werden sollte. Auch er erhielt die Auskunft, dass die Sendung „Narren suchen den Karnevalsstar“ beim Sender DMF nicht bekannt sei. „Ich hatte dann auch Bauchschmerzen. Allerdings hatten viele meiner Freunde Karten für die Veranstaltung gekauft. Und die wollte ich nicht enttäuschen.“, so der Künstler zu uns.

In dem Gespräch mit dem Künstler wurden uns auch weitere Informationen preisgegeben, die wir aber noch nachrecherchieren müssen. Diese würden aber die Aussage des Jurors, dass die Sieger bereits so gut wie vorher feststehen, untermauern. Wir halten unsere Leser weiterhin auf dem Laufenden.

Posted by admin