86. Fest der Technik

Posted By on 17. Januar 2015

Foto: Andreas Klein

Zum 86ten Mal fand heute das Fest der Technik im großen Festsaal der Sartory-Betriebe statt – und ein Blick in den Saal liess uns einen Schauer über den Rücken laufen: Gerade einmal 500 Gäste waren dem Ruf des Fördervereins der Elektrotechniker bei der Fachhochschule gefolgt. Damit erreicht die traditionsreiche Veranstaltung einen neuen Negativrekord in den Besucherzahlen. Und der Trend scheint leider weiter nach unten zu zeigen …

Nachdem das Fest der Technik bereits Anfang des Jahrtausends in einer Krise war, hatte man sich gegen Ende der erste Dekade des neuen Jahrtausends erholt. Damals hatte man sich darauf besonnen, dass man mit nichts sagenden Künstlern aus anderen Bundesländern in Köln niemand hinter dem Ofen hervorholen konnte. Deshalb besann man sich darauf, dass man den Gästen das bieten wollte, wofür die Gäste aus ganz Deutschland nach Köln kamen: Ein Programm vergleichbar mit dem, was das Fernsehen dem Zuschauer als Kölner Karneval zeigt.

Zwölf Programmpunkte boten die feierwütigen Elektrotechniker heute auf – doch die Top-Bands suchte man vergeblich. Bei den Rednern sah das schon etwas anders aus – aber drei gute Redner machen noch lange kein Spitzenprogramm aus! Doch der Reihe nach: Das Korps der Blauen Funken eröffneten das 86. Fest der Technik. Diese traditionelle Eröffnung wollen und werden wir niemandem streitig machen. Und ob das Korps blau-weiß, grün-rot, rot-weiß oder wie auch immer von der farblichen Zusammensetzung her gestaltet ist – Korps ist Korps und gehört mindestens einmal auf eine traditionelle kölsche Sitzung.

Wicky Junggeburth mit seinen Krätzjer und Couplets bietet ebenfalls ein solides Programm. Gleich zu Beginn sorgt ein Evergreen wie „Einmol Prinz zo sin“ für Stimmung. Und auch Büttenredner Gerd Rück in seiner Type als „Ne Weltenbummler“ würden wir keinem der Gäste vorenthalten wollen. Der Altmeister Rück muss ja wieder einspringen, weil Köln einfach zu wenige Redner hat – und diese und die nächste Session extrem kurz sind. Beim nächsten Programmpunkt wird es für den Gast dann schon heikel: Marion Brüsselbach als „Et Brüsselbach – die kölsche Soul Diva“ mag beim Publikum im Saal gut angekommen sein, wie uns der neue Pressesprecher versicherte. Aber einen „Top-Act“, als den man uns die Dame verkaufen wollte, sehen wir darin nicht wirklich. Und auch die nachfolgenden Kolibris haben ihre besten Zeiten schon hinter sich – nach dem Mega-Hit „Die Hände zum Himmel“ blieben die wirklich großen Erfolge aus. Da musste Bernd Stelter schon ranklotzen, um die Stimmung wieder aus dem Tiefen des Sartory heraus zu holen.

Der Stimmungskiller des Abends war dann aber die extrem lange Pause von knapp einer Stunde! Bei den anderen Gesellschaften sind 30 bis 40 Minuten normal, wobei der Trend heute eher zu Non-Stop-Sitzungen geht. Da kann sich dann Bruce Kapusta an der Solotrompete abmühen, wie er will. Die Stimmung im Saal war nicht wirklich berauschend. Da nützten auch die Faxen des um Stimmung bemühten Sitzungsleiters Michael Schoenewald von der „Kölnische K.G.“ nichts. Die Domstürmer, die dem neuen Pressesprecher wichtiger waren als die Fragen der wartenden Presse, schafften es dann zumindest ansatzweise, Stimmung in den Saal zu bekommen. Bei Bauchredner Klaus Rupprecht und seinem vorlauter Affe „Willi“ als letzte Redner der Sitzung hörte man dann sogar im ansonsten menschenleeren Foyer des Sartory den ein oder anderen Lacher aus dem Saal. Das Kölner Dreigestirn, die Tanzgruppe der Turmgarde Eitorf und die Band „Kölsche Adler“ komplettierten das Programm des Fest der Technik in diesem Jahr.

Bei einem Zitat des neuen Pressesprechers, Hans-Peter Haupt, musste man als Journalist allerdings aufhorchen: „Diese Sitzung geht bei uns an die finanzielle Substanz! Die Zahl der Gäste steht in keinem Verhältnis zu den Kosten. Da zahlen wir drauf! Aber richtig!“, so Haupt. Na ja, selbst schuld, kann man da nur sagen – immerhin sollte das Fest der Technik erstmalig im Ostermann-Saal der Sartory-Betriebe stattfinden. Da man dort aber das ETV-Panorama, welches als Bühnenhintergrund dient, nicht aufhängen kann, wechselte man doch wieder in den großen Festsaal. Und in einem Saal mit bis zu 1.400 Plätzen fallen knapp 500 Besucher halt noch weniger auf als in einem Ostermann-Saal, der gerade einmal knapp die Hälfe an Gästen fasst. Zumal der große Saal naturgemäß teurer von der Saalmiete ist als der kleinere Ostermann-Saal.

In diesem Jahr war das Fest der Technik vom angestammten Freitag auf einen Samstag gewechselt – und hoffte darauf, dass hierdurch weitere Besucher aquiriert werden könnten. Doch leider war das Gegenteil der Fall. Und in der nächsten Session will man sogar auf einen Sonntag wechseln. Für uns der falsche Schritt, denn dann werden sicherlich noch weniger Besucher den Weg nach Köln finden. Immerhin müsste man dann den Montag frei nehmen – zumindest die Gäste, die nicht aus Köln oder der näheren Umgebung kommen. Und das sind nicht gerade wenig beim Fest der Technik.

Wir bleiben gespannt, ob das Fest der Technik sein 90-jähriges Bestehen noch erleben wird. Damit dies klappt, müsste sich dort aber einiges tun. Doch dafür sind die Strukturen bei der Elektrotechnischen Vereingung der Fachhochschule Köln zu eingefahren – um nicht sogar zu sagen festgelötet. Leid tun konnte einem Programmgestalter Peter Hoss: Der verbrachte den halben Abend damit, die Künstler darüber zu informieren, dass man nun doch im großen Sartory feiert, denn die Künstler hatten noch alle den Ostermann-Saal in ihren Verträgen stehen …

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