Rote Funken luden zum traditionellen „Diskösch met d´r Press“

Posted By on 9. November 2017

In ihre Heimstatt, die Ulrepforte an der Ecke Sachsenring und Ulrichgasse, luden am gestrigen Abend die „Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e. V.“ (Rote Funken) zu ihrem traditionellen „Diskösch met d´r Press“. Zahlreiche Kollegen der Print-, Radio- und Onlinemedien folgten dem Ruf des ältesten Kölner Traditionskorps zur Jahrespressekonferenz, bei der man einen Rückblick auf zurückliegende Ereignisse, aber auch einen Ausblick auf die kommenden Highlights des Funkenjahres gab.

Doch bevor es an die Informationen ging, mussten sich die anwesenden Pressevertreter (mit Ausnahme der gesundheitlich angeschlagenen) als quasi neues Resevekorps beim Wibbeln präsentieren – einen Spaß nach Funkenart, den die jecken Karnevalsreporter natürlich gerne mitmachten. Nach diesem ersten künstlerisch wertvollen Highlight stärkte man sich bei einer deftigen Rinderkraftbrühe.

Foto: Kurt Braun

Präsident Heinz-Günther Hunold erinnerte zuerst an den Auftakt eines jeden Funkenjahres, den Besuch der neuen Gedenkstätte der Roten Funken auf dem Melatenfriedhof an der Aachener Straße. Bis vor wenigen Jahren war die Gedenkstätte der Gesellschaft auf dem Südfriedhof im Kölner Stadtteil Zollstock. Die Tradition geht zurück bis auf das Jahr 1920, als man auf dem Südfriedhof die Gedenkstätte am Grab von Theo Schaufuß einweihte. Schaufuß war vor dem 1. Weltkrieg Präsident der Gesellschaft und unterstützte während des Krieges die Mitglieder der Roten Funken an der Front mit sogenannten „Liebesgabenpaketen“. Diese Pakete enthielten Schnaps, Schokoladen und auch Zigarren bzw. Zigaretten. Im Gegenzug sendeten die Kameraden Feldpostkarten an ihren Präsidenten. Allein im Jahr 1915 versendete Schaufuß 325 Pakete an seine Kameraden an der Front – worüber Schaufuß in den Jahren nicht nur das damalige Vermögen der Roten Funken aufbrauchte, sondern auch selbst vollkommen verarmte. Als er dann starb, sollte er in einem Armengrab beigesetzt werden. Doch die Funkenkameraden, die den Krieg überlebt hatten, kümmerten sich um ein Grab für ihren verstorbenen Präsidenten – die erste Gedenkstätte der Roten Funken, bei der nicht nur Theodor Schaufuß, sondern allen verstorbenen Kameraden gedacht wurde.

Nach dem Tod von Eberhard Hamacher im Jahr 1964 versammelten sich die Roten Funken wieder auf dem Südfriedhof. Es entwickelte sich ein festes Gedächtnisritual: Treffen um 9.30 Uhr auf dem Südfriedhof, Fahnen mit Trauerflor, Kranzträger, Musik, alles in Moll, Funkenpastor, Rheinmelodiker, Ansprache. Mehr und mehr wurde aus dem Allerheiligengang zum Präsidentengrab eine Trauerfeier für all die verstorbenen Funkenfreunde. Besonders wurde an die gedacht, die innerhalb des zurückliegenden Jahres von uns gegangen waren. Überlegungen führten nach dem Tode von Hansgeorg Brock dazu, nicht nur den verstorbenen Präsidenten an deren Grabstätten zu gedenken, sondern für alle Verstorbenen einen Gedenkplatz zu finden.

Und so wurde auf dem Melatenfriedhof die Grabstätte der Familien Cron-Allert. Es handelt sich um ein zwölfstelliges Grab, keine Gruft, in dem seit 1853 bestattet wurde. Diese Grabstätte wird von den Roten Funken und der Steinmetzfirma Anno Walk zurzeit als Gedenkstätte hergerichtet. Ziel ist es, dass sich Funkenkameraden nach ihrem Ableben dort beisetzen lassen können. Um die Pflege des Grabes kümmern sich dann die Korpskameraden. Und an jeden dort beigesetzten Rote Funk wird auf einer Steintafel erinnert werden, solange diese Grabstätte bestehen wird.

Foto: Andreas Klein

Nach diesem nachdenklichen Thema wurde der vor zwei Jahren neu geschaffene Fanclub „Die Funkefründe“ thematisiert. Ziel war es, mit diesem Fanclub den Freunden der Roten Funken in den sozialen Medien, aber auch denjenigen, die vielleicht aus finanziellen oder beruflichen Gründen kein Roter Funk werden können, die Möglichkeit zu bieten, sich als Freund des ältesten Traditionskorps dem Verein verbunden zu fühlen. Für 18,23 € im Jahr gibt es u. a. vergüngstigte Karten für Veranstaltungen der Gesellschaft, aber auch für exklusive Konzerte oder andere Veranstaltungen. In diesem Sommer gab es zum Beispiel ein Sommerfest an der Ülepooz, wie die Ulrepforte im Volksmund heißt, bei dem rund 160 Funkenfründe nicht nur die Heimstatt der Gesellschaft besichtigen konnten, sondern auch andere Informationen aus erster Hand zum rot-weißen Korps erhielten. Ein Konzertbesuch bei den Höhner und der Besuch eines Spiels der Eishockey-WM, die dieses Jahr in Köln und Paris stattfand, gehörten ebenfalls zum Angebot für die Fanclub-Mitglieder. Die Mitgliedskarte des Fanclub ist übrigens auch der Schlüssel zu exklusiven Rabatten zahlreicher Partner der Kölsche Funke rut-wieß. In zwei Jahren haben sich schon weit über 500 Menschen dazu entschlossen, dem Fanclub beizutreten, womit die Funken über Plan liegen. Bei aktuell rund 40.000 Followern alleine in den Social-Media-Kanälen der Roten Funken ist da aber noch reichlich Luft nach oben!

Sauerbraten mit Rotkraut und Klößen sowie Apfelmus als Hauptgang sorgten anschließend für eine kurze Pause. Hiernach verwies Heinz-Günther Hunold auf eine Ausstellung im „Haus der Geschichte“ in Bonn, in der unter dem Titel „Mein Verein“ neben den Roten Funken der Fußballverein Schalke 04 und „Die Tafeln“ vorgestellt werden. Die Ausstellung ist noch bis 4. März 2018 zu besichtigen.

Foto: Rote Funken

Anschließend gab es einen Ausblick auf den bevorstehenden Umbau der Ulrepforte. Seit August diesen Jahres haben die Roten Funken die Umbaugenehmigung durch die Stadt Köln und deren Ämter vorliegen. Burgvogt Ulrich Schlüter erläuterte die Umbaumaßnahmen, die neben den notwendigen Rettungswegen auch die Barrierefreiheit des Gebäudes sowie eine verbesserte Toilettensituation berücksichtigen. Die Roten Funken sind seit 1955 Pächter unter Duldung und mit dem nun geschlossenen Vertrag mit der Stadt für weitere 99 Jahre Pächter der denkmalgeschützen Ülepooz. Für den Umbau veranschlagt Schlüter ein Budget von zwei Millionen Euro, von denen rund eine Million bereits durch Spenden eingesammelt worden sind. Für die gleiche Summe hoffen die Roten Funken auf öffentliche Fördermittel, für die zurzeit die Anträge gestellt werden. Baubeginn soll nach den Planungen im Frühjahr bzw. Sommer 2018 sein.

Ein weiteres Highlight im Funkenjahr 2018 wird die Manöverfahrt der Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e. V. unter dem Titel „CUSA 2018“ sein. Am 29. September 2018 geht es mit einem Direktflug vom Flughafen Frankfurt/Main nach Kuba, genauer gesagt in die Hauptstadt Havanna. Neben touristischen Aktivitäten der mitreisenden Funken gibt es unter dem Titel „Kölle goes Cuba“ ein Fest der Kulturen mit einem Auftritt der Kölner Band „HÖHNER“, der weltbekannten kubanischen Dance Company „Havanna Queens“ und weiteren Programmpunkten. Die Veranstalter rechnen mit 2.000 Gästen, welche dem musikalischen Programm beiwohnen werden. Vorher planen die Roten Funken einen Marsch in großer Uniform durch Havanna mit klingendem Spiel des Spielmannszuges – etwas, was Kuba seit der Revolution sicherlich nicht erlebt hat! Am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, sind die Roten Funken dann als Kultur-Botschafter des Aussenministeriums in der kubanischen Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Miramar zu Gast und werden  für die 500 teils internationalen Gäste die Knabüß präsentieren und wibbeln.

Foto: pixabay.com

Von Kuba aus geht es dann am 4. Oktober nach Phoenix/Arizona, also in die USA. Dort werden die Roten Funken zwei Tage lang auf einer extra gemieteten Ranch in das Cowboyleben eintauchen: Ausritte zu Pferd, geführte Wanderungen durch Canyons, Tontauben schießen und Lasso werfen stehen unter anderem auf dem Programm. Natürlich gibt es auch ein deftiges Barbecue am Lagerfeuer. Nach zwei Tagen „Wild-Funk-Leben“ geht es von Wickenburg nach Las Vegas: 416 staubige Meilen in zwei Tagen stehen nun auf dem Plan. Dabei können sich die teilnehmen Funken entscheiden, ob sie den „Easy Rider“ machen wollen und mit einer gemieteten Harley über die „Old Route 66“ cruisen oder lieber mit Trikes, FORD Mustang Convertibles oder klimatisierten und luftgefederten SUVs den Weg zurücklegen. Zwischenstop macht die Truppe in Flagstaff, wo ein Hotelzimmer und ein Barbecue warten. Abends spielen die Höhner unplugged im „Black Barts Saloon & Steakhouse“ auf. Am nächsten Morgen geht es dann weiter Richtung Vegas. Dort werden die cruisenden Funken am Abend des 8. Oktober erwartet. Dort werden die Roten Funken voraussichtlich zwei große öffentliche Auftritte in großer Uniform und mit Unterstützung der Höhner absolvieren. Es bleibt aber auch ausreichend Zeit für Casinobesuche, Shopping und vieles mehr. Am 11. Oktober geht es dann zurück nach „Good Old Germany“, wo die Roten Funken und die Höhner am 12. Oktober zurückerwartet werden.

Bevor es an das Finale Dessert des Abends ging, gab Heinz-Günther Hunold bekannt, dass die „Wibbel-Dance-Party“ der Roten Funken ab 2019 nicht mehr im „Alten Wartesaal“ unter dem Hauptbahnhof stattfinden wird. Die Veranstaltung wird in eine neue Location verlegt, die aber noch bekannt gegeben wird. Im Wartesaal werden die Funken aber trotzdem bleiben, hier wird eine neue Veranstaltung durchgeführt, wie man sie – laut Hunold – im Kölner Karneval bislang nicht kennt.

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