Literarisches Komitee präsentierte zehn Künstler auf dem Vorstellabend am Samstag

Posted By on 8. Oktober 2018

Fotos: Andreas Klein

Am Samstagabend präsentierte das Literarische Komitee im Festkomitee Kölner Karneval im Festsaal der Kölner Flora auf dem diesjährigen Vorstellabend „Treffpunkt Nachwuchs“ sechs musikalische Programmpunkte und vier Redebeiträge. Nach der Begrüßung durch Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn und der Verabschiedung der Künstler, welche die Ausbildung im Literarischen Komitee nach drei Jahren beendet haben, wurde Erwin Rußkowski aus dem Komitee verabschiedet. Ebenfalls in Komitee-Rente geht, nach 19 Jahren aktiver Unterstützung der musikalischen Beiträge, Helmut Blödgen. Er erhielt für seine Verdienste den Verdienstorden des Festkomitee Kölner Karneval in Gold überreicht.

RhingBloot

Den „Eisbrecher“ machte die Band „RhingBloot„, die seit 2015 auf den Bühnen Kölns unterwegs ist. Mit einem rockigen, teilweise erheblich zu lauten, Sound und guten Songs zeigte die Band, trotz der Lautstärke, eine solide Leistung. Personell hat sich in den letzten Wochen bei der Band einiges getan, so ist zum Beispiel Udo Jatzwauck von den „Filue“ als Schlagzeuger zu RhingBloot gewechselt. Und auch an den Keyboards gibt es bei der Band mit Niklass Hoss einen neuen Mann. Da kann man hoffen, dass die Jungs das mit dem Sound auch in „kleineren“ Sälen bis zur Session noch hinbekommen … immerhin hat Jatzwauck mit den Filue ja Erfahrung, auch in den kleineren Sälen!

Anne Vogd

Als ersten Redebeitrag präsentierte das Literarische Komitee dann Anne Vogd. Im Pressetext heißt es zu der Künstlerin, sie sei eine „moderne Büttenrednerin“ – aha, aber die Witze waren teilweise aus der Gründungszeit des Kölner Karnevals (und hiermit ist nicht das Gründungsdatum des Festkomitee gemeint …)! Gleich zu Beginn ihres Auftritts versuchte es Anne Vogd mit einer Gesangseinlage – und hier zeigte sich wieder eindrucksvoll, dass ein Mikrofon, mit dem man gut sprechen (!) kann, sich nicht immer auch für eine Gesangseinlage eignet. Größtenteils war der Gesang komplett unverständlich! Die aus Aachen stammende Anne Vogd ist seit 2017 im Karneval unterwegs und präsentierte sich zum letzten Mal beim Literarischen Komitee.

King Loui

Mit der Band „King Loui“ kamen Teile der ehemaligen Band „Crocodiles“ auf die Bühne der Flora. Nachdem die Schülerband „Crocodiles“ sich aufgelöst hatte, schlossen sich die vier heutigen „King Loui“ zusammen und bildeten eine neue Band. Die Aussage im Pressetext, dass „King Loui die derzeit jüngste Band“ sei, „die ihre Heimatstadt Köln musikalisch unsicher macht“, halten wir für äußerst gewagt. Die Musiker von King Loui sind mindestens 18 Jahre alt, und allein schon die Mitglieder der Band „Mikroschrei“ ist da ein paar Jährchen jünger! Sollte sich die o. g. Aussage auf den Karneval beziehen, wäre dieses auch falsch: Denn „King Loui“ ist keine „Karnevalsband“! Die ersten beiden präsentierten Stücke waren auch hier rockiger Natur – und einfach nur zu laut, der Gesang war teilweise nicht verständlich! Der neue Song „Tinda“, der sich auf den Partnersuchdienst „Tinder“ bezieht, hingegegen konnte begeistern: Eine funkige Rap-Nummer, die locker aus den siebziger, achtziger Jahren stammen konnte und welche die Gäste im Saal mitriss! Hiernach war eine Zugabe fällig!

Woosch un Wööschje

Daniel Thelen und Marco Ages sind „Woosch un Wööschje„. Die beiden gebürtigen Kölner, die mit ihren Kölsch-Interpretation eher an „Eefeler Platt“ erinnerten, sorgten mit ihrer Mischung aus teilweise sehr alten Witzen (die schon jede Witzeseite der einschlägigen Illustrierten bereicherten) und teilweise äußerst gelungenen Gags für Stimmung. Bei einem Gag schien es so, dass Marco Ages vom geplanten Witz abrückte und etwas „frei interpretierte“ – was Daniel Thelen etwas aus dem Konzept brachte und nicht nur für Lacher im Saal sorgte. Thelen brauchte ein paar Minuten, um sich wieder zu fangen. Das macht die beiden Jungs aber sympathisch, immerhin kann man auch über sich selbst lachen! Unter den Redebeiträgen am Samstag gehörten „Woosch un Wööschje“ zu den Gewinnern!

Kölsch Royal

Als letzten Programmpunkt vor der Pause präsentierte sich die Band „Kölsch Royal“ – und nach den ersten Klängen der Band aus Köln-Porz wurde es im Saal merklich leerer. Gesanglich boten Stefan Leuffken und Gaby Jäkel leider nur Mittelmaß. Die vierköpfige Begleitband war zusätzlich teilweise so laut, dass man den Gesang nur erahnen konnte. Wie man selbst im Pressetext schreibt, wird Porz nicht als einer der „royalen Stadtteilen von Köln“ angesehen. Die Band passt zu dieser Einschätzung, denn „royal“ war die Darbietung keinesfalls. Eher unteres Mittelmaß.

Müller

Nach der Pause, die länger ausfiel als geplant, startete die 2. Abteilung vor der angegeben Zeit. Die beiden Moderatoren des Abends, Nadine Krahforst als Leiterin des Literarischen Komitees und Michael Hehn (vielleicht besser bekannt als „Dä Nubbel“), konnten weitere fünf Programmpunkte präsentieren. Den Anfang der zweiten Abteilung machte Michael Müller mit seiner Band „MÜLLER„. Die Band kann sowohl rockige Songs als auch sanft melancholische Balladen – aber leider immer zu laut! Und wenn selbst die Musik bei einer Ballade zu laut ist, weiß man als Betrachter, dass der Tontechniker der Band einen Hörschaden haben muss! Positiv hingegen ist die Einstellung, die „MÜLLER“ vermittelt: „Was wir nicht live spielen können, spielen wir nicht!“ Auf gesampelte Sounds und Halbplaybacks (auch bekannt als „Midi-Files“) verzichtet die Band bewusst. Und dafür gibt es einen Pluspunkt!

Annemie Krawtschak

Als ersten Redebeitrag in der zweiten Abteilung konnte Anika Marten als „Annemie Krawtschak“ die Gäste in der Flora für sich gewinnen. Der „Flamingo des Karnevals“, wie sie sich selbst nennt, kämpfte in ihrer Rede u. a. gegen den Buchsbaumzünsler, ein sammelfreudiges Eichhörchen und gegen ihre Nachbarn. Die Zuhörer konnten insbesondere den Kampf gegen den Buchsbaumzünsler, der sich zum Schluß als Falter bis in nächstes Jahr verabschiedete, nachvollziehen. Doch was davor passierte, war für das überwiegende Fachpublikum schon den ein oder anderen Lacher wert. Gemeinsam mit „Woosch un Wööschje“ kann man Annemie Krawtschak als guten Redebeitrag in die nächste Session und auf die karnevalistischen Bühnen entlassen …

Kappes & Co.

Noch bevor die nächste Band die Bühne betrat, meinte ein Kollege am Pressetisch: „Die sind bestimmt so, wie ihr Name!“ … die Band heißt „Kappes & Co.„. Und die Band schaffte etwas, was eigentlich nicht leicht ist: Trotz der Verwendung von eher leisen Instrumenten (Cajon anstatt Drumset und akkustische anstatt elektrische Gitarre) war die Band einfach zu laut! Und zwar musikalisch so laut, dass man den Gesang teilweise nicht verstehen konnte, weil der Gesangspart einfach zu leise war. Dabei boten die vier Musiker, wie Nadine Krahforst es nach dem Auftritt anmerkte, in den musikalisch leiseren Momenten „einen schönen dreistimmigen Satzgesang“. Diese Aussage verwunderte auch Co-Moderator Hehn, denn alle vier (!) Musiker sangen bei fast allen Liedern gemeinsam den Chor. Das Gesamtpaket „Kappes & Co.“ war dann so wie vom Kollegen vermutet – aber mit etwas Feinschliff im musikalischen Bereich könnte die Band sich noch verbessern. Ein erster Tipp dafür: Die musikalische Lautstärke etwas runter und den Gesang mehr nach vorne …

„De löstige Knalltüte vun 1719“

Mit reichlich Vorschußlorbeeren aus der letzten Session präsentierten sich die beiden einzigen Mitglieder und gleichberechtigten Vorstandsmitglieder der „K.K.G. De Löstige Knalltüte vun 1719 e. V.“ mit ihrem Redebeitrag beim Fachpublikum – und sorgte am Pressetisch für einhelliges Entsetzen! Nachdem Peter Esser und Conny Tosetti in der letzten Session einen kometenhaften Aufstieg auf die Bühnen des rheinischen Karnevals hinlegten, verglühte mit dem diesjährigen Vortrag quasi der Komet wieder! Boah, was war das unterirdisch! Aus Themen wie dem Datenschutz, der GEMA, den Saalpreisen und dem Weinzwang hätte man sooooo viel mehr machen können – aber DAS war nix! Gar nix! Und wenn man dann in seinem Redebeitrag auch noch einen Witz eines verstorbenen Kollegen vorträgt – dann sollte man diesen wenigstens entsprechend vortragen. Hans Hachenberg hat hierbei jedenfalls in seinem Grab rotiert!

Köbesse

Das Finale bestritt die kölsche Band des Namensvetters einer der bekanntesten 007-Darsteller – andersrum: Bei der Band „Köbesse“ steht Roger Moore am Mikrofon. Nein, nicht DER Roger Moore. Der andere. Moore hat bereits im Jahr 2002 die Linus´ Talentprobe im Tanzbrunnen gewonnen. Der Name ist übrigens kein Künstlername; ob die Eltern von Roger Moore Fans von DEM Roger Moore waren, ist nicht überliefert. 2011 gründete sich die Band, 2015 gewannen die „Köbesse“ den „Loss mer Singe“-Wettbewerb für Nachwuchstalente. Nach eigenen Angaben bietet die Band einen „abwechslungsreichen, modernen und stimmungsvollen Sound“. Wenn abwechslungsreich, modern und stimmungsvoll mit LAUT gleichzusetzen ist, dann passt das! Die Köbesse waren nach unserem Empfinden die lauteste Band des Abends – und dies, obwohl hier erstmals (!) an diesem Abend ein Tontechniker samt „Brettchen“ durch die Reihen geht.

Unser Fazit des Abends: Bei den Bands scheint „laut“ das neue „schön“ zu sein. Dass dies aber für den Zuhörer nicht immer der Fall ist (es sei denn, man kann sein Hörgerät ausschalten und hat dann eine erträgliche Lautstärke …), scheint die jungen Bands heutzutage wenig zu interessieren. Und dabei sei erwähnt, dass es im Karneval auch etablierte, laute Bands gibt – ob die nun BRINGS, Kasalla oder wie auch immer heißen, es gibt einen Unterschied: Der Sound stimmt trotz der Lautstärke! Und das war am Samstagabend nicht gegeben. Und hier lag es garantiert nicht an der Soundanlage des Veranstaltungssaales! Bei den Rednern enttäuschten die „etablierten“ Kräfte wie Anne Vogd und die „Löstige Knalltüten“ mit langweiligen Beiträgen. „Woosch un Wööschje“ sowie „Annemie Krawtschak“ konnten hier punkten, wobei auch diese beiden Redebeiträge von etablierten Rednern wie einem Volker Weininger, Dave Davis (Motombo Umbokko), Jupp Menth (ja, der tritt wieder auf …) oder einem Marc Metzger, der bekanntlich in der kommenden Session ein Sabbatjahr nimmt, meilenweit entfernt sind! Aber immerhin.

Etwas enttäuscht waren wir vom Festkomitee Kölner Karneval: Nachdem FK-Präsident Kuckelkorn vor ein paar Wochen erklärt hatte, dass man keine Veranstaltungen von Mitgliedsgesellschaften mehr besuchen würde, wenn dort keine Tanzgruppen auftreten würden, hatte das Literarische Komitee es hier verpasst, dieser Aussage etwas Leben einzuhauchen. Und wenn es nur eine Tanzgruppe gewesen wäre. Außer Konkurrenz quasi, da bekanntlich das Komitee ja keine Tanzgruppen ausbildet. Aber es wäre ein Zeichen gewesen! Schade, Chance verpasst!

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