Breites Spektrum beim Vorstellabend des Literarischen Komitees

Posted By on 26. Oktober 2019

Heute wollen wir mal das Fazit des Abends vorweg nehmen: Bis auf zwei, drei Programmnummern hätte man sich den gestrigen Abend auch sparen können! Bereits nach der Pause war der Saal, man war erstmalig im „Wartesaal am Dom“ zu Gast, merklich leerer. Doch die, die zur Pause gegangen sind, haben das Highlight des Abends verpasst – es gibt einen tollen neuen Redner! Doch der Reihe nach …

Fotos: Andreas Klein

Auch in diesem Jahr eröffnete die Band „Rhingbloot“ den Vorstellabend des Literarischen Komitees. Im letzten Jahr war die Band in der Flora noch zu laut – aber nach unserer Kritik, welche die Band sich zu Herzen genommen hatte (wie man uns damals wissen liess), hat man offenbar stark am Sound geschraubt. Das war gestern richtig gut! Gesang verständlich, Musik nicht zu laut – die Jungs kann man durchaus auch bei älterem Publikum in den ersten Reihen auf die Bühne lassen. Die Lieder der Band wie der neue Sessionstitel „He bin ich zohuss“ laden zum Mitsingen und Mitschunkeln ein. Wenn „Rhingbloot“ jetzt noch einmal den richtigen Hit landen kann, müssen sich viele Bands im Karneval aber richtig warm anziehen …

Et Kölsch-Duo

Die nächsten Musiker kommen auf die Bühne mit den Worten: „Wir sind eigentlich eine falsche kölsche Band, wir sind nämlich leise!“ Der hat aber direkt mal gesessen! Wobei Michael „Mike“ Schäfer und Joachim „Gacki“ Gackowski nicht ganz unrecht haben – nur mit zwei akkustischen Saiteninstrumenten wird es mit „laut sein“ schwer. Das Thema der beiden Musiker, die als „Et Kölschduo“ auf die Bühne gehen, sind die kölschen Krätzjer. Und diese Form des rheinischen Liedguts beherrschen die Beiden wirklich sehr gut. Die Krätzjer, wie das von der „Kneip op d´r Eck“, passen allerdings weniger auf die großen Bühnen der Stadt. Man muss den Beiden zuhören, und das wird im Gürzenich, Maritim und Sartory schwer. Aber es gibt ja Flüstersitzungen, Kneipensitzungen und Pfarrsitzungen sowie kleinere, interne Veranstaltungen der Gesellschaften, wo die beiden Jecken mit ihren Leedcher die Jecken begeistern werden. Da sind wir uns sicher.

Der rheinische Pilger

Der nächste Programmpunkt … na ja … war äußerst flüssig. Um nicht zu sagen „völlig überflüssig“! Dr. Hubertus Zilkens kam als erster Redner in der Type „Der rheinische Pilger“ auf die Bühne des Wartesaal. Er marschierte mit Pilgerstab ein, den er sofort wieder abgab, packte einen Stapel Papier aus – und las den Großteil seiner Rede vom Blatt vor! Okay, das kennt man aus Mainz, aus Frankfurt und teilweise auch aus Düsseldorf – und selbst da würde man den Pilger lieber auf Pilgertour schicken als ihn auf die Bühne zu lassen! Man vermisste beim Vortrag jeglichen Witz! Selbst die Zeitungen drucken diese Witze nicht mehr ab, weil die wirklich jedem an den Ohren herauskommen! Und dann wird teilweise ohne jeden Gag gelabert und gelabert, dass einem die Ohren qualmen. Hinter vorgehaltener Hand hatte man uns dann gesagt, dass der Pilger bereits vor einigen Jahren beim Festkomitee vorgesprochen haben soll – und dort wegen „Witzlosigkeit“ gar nicht erst in die Auswahl kam. Geändert hat sich beim Pilger nix. Aber offenbar beim Literarischen Komitee …

Jason, dä Immi

Musikalisch ging es mit „Jason, dä Immi“ weiter. Und der lieferte am gestrigen Abend einen durchschnittlichen Auftritt. Der erste Song kam aus der „Konserve“, also mit Halbplayback. Völlig okay, nur eher was fürs Kinderprogramm. Und: Jason nuschelt! Man hat die ganze Zeit gedacht, er singt über ein „Sofa“ – dabei sollte das „Zofall“ heißen. Beim zweiten Song, bei dem er live von der Saalkapelle begleitet wurde, ging Jason dann komplett unter: Die Musik war viel zu laut und der Gesang völlig unverständlich – eben weil die Musik viel zu laut war. Das war gar nix! Beim dritten Song, bei dem sich Jason nur mit der E-Gitarre begleitete, war dann auch der Text teilweise unverständlich. Wenn Jason über Kinder- und Jugendveranstaltungen hinaus Erfolg haben will, sollte er an seiner Aussprache arbeiten – auch und gerade, weil Jason ein Immi ist.

„Woosch un Wööschje“

Überrascht haben uns „Woosch un Wööschje„: Die beiden Jecken hatten wir bereits beim Vorstellabend in Pulheim gesehen und uns darüber moniert, dass man keine neue Rede brachte. Die gab es dann am gestrigen Abend! Marco Ages und Daniel Thelen stehen in ihrer Rede für „Quatsch pur“. Allerdings hat die Rede am Anfang einige Längen in den Gags, welche den Lacher kaputt machen. Zum Ende hin wird der Vortrag der Beiden besser und kurzweiliger. Ages und Thelen brauchen nach unserer Meinung einen Mentor, der ihnen beim Schreiben der Rede mit Fachwissen zur Seite steht. Dann könnten „Woosch un Wööschje“ durchaus das Zeug dazu haben, um als Zwiegespräch zu den Top-Redebeiträgen zu gehören. So ist es heute aber leider nur Mittelmaß. Aber nicht unlustig!

Roots Queen

Bevor es in die Pause ging überraschte „Roots Queen“ mit kölschem Reggae das Fachpublikum beim Vorstellabend: Die kölsche Version von Bob Marley „Could you be loved“ mit dem Titel „Kütt hä us Niehl“ – Hut ab! Die Nummer ist ein Knaller! Leider waren die nachfolgenden, selbst komponierten Lieder nur Durchschnitt. Aber die „Wurzelkönigin“ ist ja noch jung, das Mädel kann sich noch durchaus positiv weiter entwickeln. Reggae op Kölsch, gerade auch der Marley-Hit, passt jedenfalls in den Karneval. Da waren sich auch einige Programmgestalter sicher.

King Loui

Nach einer kurzen Pause startete die zweite Abteilung mit der Band „King Loui„. Beim letzten Vorstellabend des Literarischen Komitees konnten die vier jungen Herren mit ihrem Tinder-Song begeistern, den sie dann am gestrigen Abend auch als erstes Lied präsentierten. Und wieder rissen sie damit das Fachpublikum mit. Doch danach wurde es musikalisch relativ eintönig: Disco-Funk der 80er Jahre – und irgendwie klang jeder Song gleich! Musikalisch und von der Lautstärke her waren „King Loui“ völlig okay, nur ist der Gesang teilweise etwas schwer verständlich. Die Band spricht mit ihrer Musik eher das jüngere Publikum an.

Ne Jeck im Rähn

Auf die Bühne kam nun ein Herr mit roter Pappnase im Gesicht und einem gelben „Friesennerz“ – und bei den ersten Worten ging ein Raunen durch den Saal: „Dä Tuppes vum Land hat eine neue Type!“ Nein, auf der Bühne stand nicht Jörg Runge alias „Dä Tuppes vum Land“, sondern Björn Wassong aus der Eifel als „Ne Jeck im Rähn„. Aber nicht nur Teile des Aussehens erinnerten an Runge – nein, auch dieser Redner kann witzig! Mit seinen Geschichten aus dem Leben in der Eifel kann Wassong auf den Kölner Bühnen sicherlich das ein oder anderen Manko im Redebereich ausgleichen. Und der „Jeck Im Rähn“ bringt auch einen Gürzenich, Sartory oder das Maritim zum Lachen! Problemlos! Seit 2006 ist Wassong mit dieser Type unterwegs. Wirklich schade, dass er erst jetzt den Weg nach Köln gefunden hat! Wenn Wassong die Qualität seiner Rede auch in den nächsten Sessionen halten kann, dann war dieser Auftritt am gestrigen Abend der Startschuss für DEN neuen Top-Redner im Kölner Karneval. Verdiente Standing Ovations vom noch anwesenden Fachpublikum und auch eine Zugabe war fällig. Wie würde Hans Rosenthal rufen: „Das war SPITZE!“

Kappes & Co.

Leisere Töne gab es danach mit der Band „Kappes & Co.„, die sich schon im letzten Jahr beim Vorstellabend präsentierten. Dort schafften die Musiker damals etwas, was man nur selten erlebt – mit eher leiseren Instrumenten zu laut zu sein. Der Sound war am gestrigen Abend besser, aber leider war der Gesang immer noch „etwas schwach auf der Brust“. Schade, denn die Lieder der vier Jungs haben durchaus Potential. Gerade auch das Lied von der „Stehparty op däm Kölner Ring“, womit allerdings nicht „die Ringe“, sondern der Autobahnring gemeint ist. Gut, für die großen, unruhigen Säle eher nix – aber vielleicht will man da auch gar nicht hin.

Annemie Krawtschak

„Ich bin die Frau, von der alle Männer sagen … kenn´ ich nicht!“, so ein Zitat aus der Rede von Anika Marten als „Annemie Krawtschak„. Und da können wir nur sagen „Gut so!“, denn der Vortrag am gestrigen Abend war alles mögliche – nur nicht witzig! Die Geschichten von der Reise nach Italien oder dem Büdchen in Ischenich sorgten bei einigen Programmgestaltern für blankes Entsetzen. Da war aber auch gar nichts lustig! NICHTS! Im Gegensatz zum Vortrag vom letzten Jahr ein Komplettausfall!

Kempes Feinest

Zum Finale rockten dann „Kempes Feinest“ die Bühne – und, hurra, es geht bei der Band auch mal in einer angemessen Lautstärke! Nur das Brülltier am Mikro muss immer noch lernen, dass ein Mikro die Stimme überträgt und dabei auch in gewisser Weise verstärkt. Bei den ersten Worten der Anmoderation klappte das auch ganz gut, aber danach hätte Nici Kempermann wieder aufs Mikro verzichten können … na ja, wenigstens haben die Musikerkollegen und die Techniker dazu gelernt. Allerdings gehören „Kempes Feinest“ nicht mehr auf einen Vorstellabend mit dem Titel „Treffpunkt Nachwuchs“. Denn die Band ist alles mögliche – nur eben kein Nachwuchs mehr! Dafür sind „Kempes Feinest“ bei Jugendveranstaltungen und auch der ein oder anderen Mädchensitzung schon zu etabliert. Aber klar, welche Nachwuchsband will schon nach 23:00 Uhr noch den „Rausschmeißer“ beim Vorstellabend spielen?!?

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